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Letzte Aktualisierung: 21.10.2008

Die Veränderung   von Harald Wittmaack (2006 - ...)

"...Blutorangensaft der kräftig macht, nur von Williams im Supermarkt Ihres Vertrauens." Mit einer ohrenbetäubenden Lautstärke fuhr der Radiowecker fort und versuchte nach der Werbepause meine Schläfrigkeit mit "Let's get loud" von J.Lo zu vertreiben. Was für ein Abend. Alle anderen auf diesem Planeten hörten wohl meistens ein fröhliches Guten Morgen wenn der Wecker das notwendige Übel des Aufstehens in einen neuen Arbeitstag verkündete. Bei mir war dies regelmässig die Abendshow, die um 20:00 begann. Mein Tagesrhythmus war bedingt durch meine Tätigkeit als Türsteher des Clubs "New Admirals" in den letzten Jahren immer mehr zum Gegenteil der Normalität geworden. Dennoch war ich schon mein ganzes Leben ein Nachtmensch gewesen und das größte Übel für meine Mutter war es immer mich für die Schule aus den Träumen zu reissen, die aufgrund meiner nächtlichen Aktivitäten, recht tief waren.

Ich rieb mir die Augen und setzte mich auf. Die Sonne war bereits untergegangen und mein Projektionswecker schrieb mit leicht unscharfem Rot 20:23 an die Decke meiner sehr günstigen, aber dafür nachtschwarzen Kellerwohnung. Erst jetzt bemerkt ich, daß ich vollkommen angezogen war und mal wieder auf meiner Ledercouch genächtigt hatte. Irgend etwas war jedoch anders als sonst. Ich überlegte kurz und mir fiel auf, daß mein Rücken ausnahmsweise nichts gegen die Couch anzubringen hatte. Im Gegenteil, ich fühlte mich frisch und ungewöhnlich erholt. Ich versuchte mich zu erinnern, was in der letzten Nacht gelaufen war und wie ich nach Hause gekommen war, konnte mir jedoch bis auf meine Fahrt zum Club auf dem ich im Supermarkt noch ein paar Flaschen Bitterlemon geholt hatte nichts ins Gedächtnis zurückrufen.

Ich stand auf und ging erst einmal unter die Dusche. Das Wasser war angenehm und ich spürte kleine Sturzbäche, die meinen Körper bedeckten und ihn in wohlige Wärme einhüllten. So angenehm ich die abendliche Reinigung empfand, so störend laut kam mir das Wasser aus dem Duschkopf heute vor. Ich drehte den rechten Wasserhahn, welcher das warme Wasser regelte mit einigen schnellen Handbewegungen zu und erschrak ob dem lauten Quietschen, welcher er von sich gab. Seltsam, das war mir bisher nicht aufgefallen. Überraschend schnell war ich abgetrocknet und da meine Arbeitsnacht um 21 Uhr begann mußte ich mich jetzt beeilen.

Im Gehen bemerkte ich, daß meine Wohnungstür nicht abgeschlossen war und mein Autoschlüssel nicht am gewohnten Platz lag. Das mußte eine wilde Nacht gewesen sein. Fluchend und auf der Suche nach dem fehlenden Schlüssel entschied ich mich kurzerhand einen Bus zu nehmen. Die Linie 12 fuhr fast direkt an meiner Wohnung vorbei und hielt nur einen Block vom Club entfernt. Es war jetzt 20:48 und ich hatte den Bus nur knapp verpaßt. Um meine Arbeitsnacht nicht wieder mit einem obligatorischen Streit mit meinem Chef zu beginnen, entschied ich mich die Strecke zu Fuß hinter mich zu bringen. Würde ich auf den nächsten Bus warten, der um 20:55 fuhr wäre ich um kurz nach halb zehn an meiner Arbeitsstelle, also lief ich los. Ich achtete nicht auf dem Weg und hatte teilweise etwas Mühe, den anderen Personen auf dem Gehsteig auszuweichen, trotzdem erreichte ich um kurz vor Neun den Hintereingang des "New Admirals". Ich öffnete die Tür und ging durch den Lieferantenbereich direkt zu den Personalräumen um mich umzuziehen. Auf dem Weg dorthin begegnete ich Marie, die mich entgeistert ansah und fragte wo ich die letzten paar Tage gewesen sei. Marcello sei einigermaßen gestreßt, stinksauer würde es wohl eher treffen, und es sei schon seit Dienstag ein Ersatz für mich am Eingang tätig. Ich fragte Sie entsetzt, welcher Tag denn heute sei und Sie entgegnete es sei Donnerstag. Es traf mich wie ein Blitzschlag. Donnerstag. Mein letzter Arbeitstag an den ich mich erinnern konnte war Samstag Abend gewesen. Ich fühlte mich nicht schwach und trotzdem verspürte ich den Drang mich zu setzen. Marie fragte mich ob alles ok sei und ich spürte wie Ihr Herz etwas schneller schlug. Sie machte sich Sorgen. Ich sah Sie an und versicherte Ihr, daß alles in Ordnung sei. Erst jetzt fiel mir auf, daß Marie mich fasziniert ansah und sowohl mein Gesicht, als auch mein ganzes Äußeres eingehend musterte. Ich dachte ich hörte Sie sagen "Mir ist nie aufgefallen, wie gut Nicolas aussieht. Er wäre vielleicht doch eine Sünde wert" und antwortete, daß man eine Sünde immer gut bedenken sollte. Plötzlich sah Sie erschrocken aus, murmelte etwas von Ihrer Schicht und daß es Ihr leid täte und hastete in Richtung der Publikumsräume davon. Marcello hatte seine Angestellten ziemlich gut zur Pünktlichkeit erzogen. So ziemlich alle außer mir. Warum jedoch war Marie auf meine Antwort hin so überstürzt gegangen? Eigentlich war unsere Magierin der Cocktails wie wir Sie liebevoll nannten immer sehr beherrscht und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Im Moment war es mir Einerlei, ich mußte zuerst mit Marcello reden.

Marcello war der Chef des "New Admirals". Er war ein kleiner, wieselgesichtiger Italiener der einen besonders guten Riecher für die neuesten Trends der Clubszene hatte. Gab es irgendwo etwas Neues in einem Club der Stadt, war es sicher im "New Admirals". Marcello hatte den Laden vor zwei Jahren vom Nachlaßverwalter des Vorbesitzers erworben. Damals war dies noch ein Privatclub in dem nur sehr seltsame Leute verkehrten. Geschlossene Gesellschaft waren zu dieser Zeit die meistgenannten Worte, die mit dem Club in Verbindung gebracht wurden. Marcello ließ den Club komplett umbauen und aus dem unbekannten Loch, welches durch eine Tür in einem Hinterhof betreten werden konnte entwickelte sich der angesagteste Laden der ganzen Stadt. Der Umbau des Clubs war vor allem deshalb sehr kostspielig, weil es kurz vor dem Verschwinden des Vorbesitzers einen mysteriösen Brand und einige Tote dort gegeben hatte. Um der schlechten Publicity zu entkommen und trotzdem noch eine Erinnerung an den alten Club zu erhalten, wurde der Club von "Admiral Arms" in "New Admirals" umbenannt. Seit kurzem kam es immer öfter vor, daß ich von meinem Boss eine Liste mit speziellen Gästen erhielt, denen der Zugang zum Club durch den alten, hinteren Eingang gewährt wurde und die teilweise nicht ganz dem sonstigen Publikum des Clubs entsprachen. Sie wurden nicht kontrolliert und hatten alle Freiheiten. Dies erschien mir umso widersprüchlicher, als Marcello ziemlich auf die Sicherheit in seinem Club bedacht war, aber er bezahlte mich stets gut und ich stellte keine Fragen. Außerdem war ich mit Sicherheit der beste Türsteher den er je in seinen Diensten hatte, weswegen auch ich einige Freiheiten genoß.

Ich betrat sein Büro, welches im ersten Stock lag und sah, daß er im hinteren Bereich eine Unterredung mit einem großgewachsenen Mann führte. Der Besucher schien offenbar nicht viel von der momentanen Mode zu halten, da er in einen karmesinroten Gehrock aus Samt mit einigen altertümlich anmutenden Verzierungen gekleidet war. Es schien mir von recht großer Statur zu sein und zeigte durch seine Haltung und Gestik, daß er den Umgang in gehobenen Kreisen sehr wohl gewohnt war und sein Besuch hier nur ein notwendiges Übel für ihn darstellte.
Ich dachte kurz darüber nach, ob ich warten oder später wiederkommen sollte und entschied mich dann für die zweite Möglichkeit. Gerade als ich mich umdrehen und den Raum verlassen wollte, sagte Marcellos Gast mit einer angenehmen und doch bestimmten Stimme: "Gehen Sie nicht, junger Freund. Meine Unterredung wird sogleich beendet sein und Ihr werter Arbeitgeber wird sich freuen Ihnen ein paar Minuten seiner kostbaren Zeit zu widmen". Er sagte dies ohne sich umzudrehen, ohne mich eines Blickes zu würdigen und fuhr sogleich fort sich mit Marcello in leisem Ton weiter zu unterhalten. Nach kurzer Zeit sagte es in normaler Lautstärke, daß somit alles geklärt sei. Er reichte Marcello die Hand und verabschiedete sich. Er schritt eleganten Schrittes durch den Raum und wandte sich mir zu. "Zu einem baldigen Zeitpunkt wird uns mit Sicherheit eine Möglichkeit eines längeren Gesprächs geboten. Ich freue mich darauf." Mit diesen Worten schritt er durch die Tür nach draussen und ließ mich mit einem etwas verblüfften Gesichtsausdruck zurück. Ich sah ihm nach und fragte mich, was diese Worte zu bedeuten hatten. Als ich mich zu Marcello umdrehte und sein verärgertes Gesicht sah, fing ich sofort an ihn mit Worten zu überschütten: "Es tut mir leid, ich war wohl die letzten Tage nicht hier? Ich kann mich nicht erinnern, was ich getan habe, wo ich war. Ich kann Dir nur versichern, daß dies nicht noch einmal vorkommen wird, ich habe mit Marie gesprochen und Sie sagte ich war die letzten", unvermittelt fiel mir Marcello ins Wort und sagte mir nur, ich solle nach unten gehen und mich um das kümmern, was ich am Besten konnte. Die Tür beaufsichtigen und mich um die Gästekontrollen zu kümmern. Wie angewurzelt stand ich da und verstand die Welt nicht mehr. Ich hatte den Job damals bekommen, weil mein Vorgänger es nach einer Clubschlägerei versäumt hatte sich für einen Tag krank zu melden und schon ein zu spät kommen konnte bei Marcello einen Rauswurf bedeuten. "Nun geh schon", meinte er, drehte sich von mir weg und ging wieder an seinen Schreibtisch. Mit einer Handbewegung bedeutete er mir, daß ich nun das Zimmer verlassen konnte. Erstaunt ging ich nach draussen auf den Gang und von dort die Treppe hinunter. Die Leuchtstoffröhre die den Gang erhellte, gab ein nerviges Surren von sich und würde wohl auch bald das letzte Licht in Ihrem Leben aussenden.

Der restliche Abend verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Die Gäste waren angenehm und nur ein paar junge Mädchen denen ich den Zutritt zum Club aufgrund ihres jungen Alters, sie waren gerade mal Mitte Zwanzig, verwehrte, meinten Sie müßten Ihrem Unmut über die Ablehnung lauthals freie Luft machen. Es war gegen circa fünf Uhr als mich eine große Müdigkeit überkam und sogar meinen obligatorischen morgendlichen Espresso mit Marie ließ ich ausfallen und ging direkt nach Hause. Mein Schlaf an diesem Tag war ruhig und der eines Toten, nicht einmal die schreienden Opern der Mieterin über mir konnten mich an diesem Tag wecken.
Die Tage kamen und gingen und der Tagesablauf war mehr oder weniger der selbe. Aufstehen, zur Arbeit gehen, heimkommen, den Tag verschlafen. Als ich ungefähr eine Woche später zur Arbeit kam, fing mich Marie am Hintereingang ab und stellte mich zur Rede: "Was ist eigentlich los, Nicolas?". Meine Gegenfrage, was Sie damit meine, beantwortete Sie mit eine Attacke in wütendem Ton: "Erst fehlst Du fast eine Woche und keiner weiß etwas von Dir, Du gehst tagsüber nicht an Dein Telefon und ebenso wenig an Dein Mobiltelefon und als ich gestern mittag bei Deiner Wohnung war, warst Du offensichtlich nicht zuhause oder Du wolltest mich nicht reinlassen. Ich mache mir Sorgen um Dich und Du sagst mir jetzt verdammt nochmal was los ist." Sie war ziemlich aufgebracht, Ihre Wangen waren leicht rötlich angelaufen und Sie atmete etwas stärker. Sie war wirklich sauer auf mich. Ich fragte mich nur woher plötzlich dieser Sinneswandel kam. Als sie hier angefangen hatte, wollte wohl so ziemlich jeder Angestellte des Clubs mit Ihr anbandeln, was auch verständlich war. Sie war ungefähr einen Meter fünfundsiebzig groß, hatte langes, dunkelstbraunes Haar und passende tiefbraune Augen. Sie hatte an den richtigen Stellen die passend proportionierten Rundungen, natürliche tiefbraune Haut und schöne, lange Beine. Mit Ihren sichtbaren Vorzügen zog sie einerseits begehrende Blicke der männlichen Angestellten und andererseits verärgerte und heimlich neidische Blicke der weiblichen Belegschaft auf sich. Die Meisten interessierten sich jedoch nie wirklich für Sie und lernten damit Ihre intellektuelle Seite nie kennen. Sie liebte Literatur und Musik und konnte zahllose Abende mit einem guten Buch und einer Flasche guten Weins genießen. Als ich bei einer Auseinandersetzung mit einem Gast als Dank einen gebrochenen Arm davon trug, kam sie mich besuchen und brachte mir ein paar Bücher zum Zeitvertreib vorbei. Danach kam sie ab und an auf einen Moccacino, oder nach einer Ihrer weiteren kurzen aber schmerzlichen Beziehungen zum ausweinen. Kurzum - wir waren Freunde geworden und paßten ein bißchen aufeinander auf. An Sex hatte seit unserem Kennenlernen keiner von Beiden gedacht, obwohl wir einige Male halbnackt und zusammengekuschelt einen Mittag in meinem Bett damit verbracht hatten die Wiederholung von "Casablanca" anzusehen und danach darüber zu diskuttieren, ob Ingrid Bergmann die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Ich dachte gerade daran, als ich mich an unsere letzte Begegnung am letzten Donnerstag erinnerte und ich mich daran zu erinnern glaubte, wie sie mich musterte und sagte ich sei vielleicht doch eine Sünde wert. Solche Gedanken waren doch eigentlich nie ein Thema zwischen uns und trotzdem sah ich Sie in gerade diesem Moment an und dachte mir wie wunderschön und lebendig Marie aussah.
Mit einem verächtlichen Schnauben und einem genervten "Hörst Du mir überhaupt zu?", riß Sie mich zurück in die Realität. "Natürlich", entgegnete ich, obwohl ich von Ihren Ausführungen in der Zwischenzeit nichts mitbekommen hatte. Wir sahen uns schweigend an. Leise sagte Marie: "Du hast Dich verändert, Nicolas". Ich fragte nach der Veränderung, aber Sie sagte es wäre ein Gefühl, die Veränderung sei nicht greifbar und ich sähe gut erholt und wie frisch aus dem Urlaub aus. Ich sei nur etwas bleich. Sie war ehrlich um mich besorgt. Und Sie war scheinbar an mir interessiert, was mir natürlich schmeichelte. Ich sagte ihr, wir sollten einen gemeinsamen freien Tag ins Auge fassen und vielleicht zusammen Essen gehen oder einen Film ansehn. Sie war erfreut, sagte mir jedoch, daß Ihr nächster freier Tag erst in zwei Wochen genehmigt sei. Wir verabredeten uns für Ihren freien Tag und mit einem Kuss auf meine linke Wange verabschiedete sie sich. Sie fragte mich nach dem Kuss, ob mir wohl sei, ich sei kalt, aber ich antwortete nur: "Alles bestens" und wir trennten uns und gingen unserer Arbeit nach.

Als ich an diesem Morgen nach Hause kam, fand ich die Tür meines Appartments unverschlossen. Ich war mir ziemlich sicher, daß ich die Wohnungstür abgeschlossen hatte und betrat vorsichtig die Wohnung. Ich trat vorsichtig durch die Tür und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, durch den offenen Küchenbereich bis zur angrenzenden Tür zum Schlafzimmer. Obwohl alles in Dunkel gehüllt war, konnte ich alle Einzelheiten erkennen: Das seit Wochen ungespülte Geschirr das sich auf dem Spültisch und dem Herd stapelte, die Fernbedienung, eine Packung Chips und die Zeitschriften auf dem Couchtisch, die Hausschuhe die unter der Couch lagen und der noch offene Regenschirm in meiner unmittelbaren Nähe, den ich nach dem letzten Regen dort zum trocknen aufgespannt hingelegt hatte. Mein Kopf schnellte ruckartig nach Links und mein Blick blieb starr auf die Badezimmertür gerichtet, als dort die Dusche angestellt wurde. War jemand eingebrochen um sich dann in aller Ruhe eine Dusche zu gönnen? Absurd. Ich suchte den Raum kurz nach irgendetwas ab, was ich als Waffe benutzen könnte und entschied mich dann für den Regenschirm, welcher bei genauerer Betrachtung wohl nicht einmal zur Verteidigung gegen einen Hund irgendeinen Nutzen gehabt hätte. Darüber dachte ich momentan jedoch nicht nach und schlich langsam in Richtung Badezimmertür. Bereit wie ein Tiger vor dem Sprung stand ich vor der Tür. Ich riß die Tür mit einem Ruck auf, hob den Regenschirm vor mir hoch und stürmte ins Badezimmer. Die Dusche verstummte im gleichen Augenblick, es brannte kein Licht und die Gardine des Badezimmerfensters wehte leicht ins Zimmer. Ich knipste das Licht an, es blendete meine Augen und es dauerte einen Moment, bis sie sich an die Helligkeit gewöhnt hatten. Nichts deutete auf einen Einbrecher hin. Ich riß den Vorhang der Dusche auf. Nichts. Wütend schmiss ich den Regenschirm in die Ecke und ärgerte mich über mich selbst. Jetzt fing ich schon an Halluzinationen zu bekommen. Amnesie hatte mir eigentlich schon voll und ganz gereicht. Ich drehte den Wasserhahn des Waschbeckens an, ließ meine Hände mit kalten Wasser volllaufen und goß es mir ins Gesicht. Als ich mein Gesicht erhob, sah ich, daß der Spiegel des Badezimmers mit Wasserdampf angelaufen war und ich deshalb nichts darin sehen konnte. Ich drehte mich um und ging zur Dusche. Die innere Seite des Duschvorhangs war naß. Also doch. Meine Sinne spielten mir also doch keinen Streich. Diese Aussicht zauberte mir ein Lächeln auf mein Gesicht. Nachdem ich das Fenster des Badezimmers geschlossen hatte, bemerkte ich daß die Badezimmertür zugefallen war. Und daran hing: Ein rotes Sommerkleid mit dünnen Trägern die gekreuzt über den tiefen Rückenausschnitt liefen. Wie war es hier hergekommen. Blöde Frage, die Trägerin mußte wohl die Person gewesen sein, die eben noch hier geduscht hatte, aber wie bittesehr konnte Sie so schnell aus dem Bad verschwinden?

Ich war verwirrt und mußte wieder an die Möglichkeit von Halluzinationen denken. Verfiel ich langsam dem Wahnsinn. Hatte eine meiner abendlichen Clubschönheiten das Kleid vergessen und es hing schon seit geraumer Zeit hier? Ich konnte mich einfach nicht erinnern. Ich war hungrig - und durstig. Ich kam mit mir übereins, daß ich im Moment keine Antwort finden würde und ging in die Küche. Ich öffnete die Kühlschranktur und betrachtete den Inhalt: Einige Steaks, Joghurt der wie immer abgelaufen war, einige Tomaten, die Reste des letzten Pizzaservice-Gelages und einige Gläser mit Gurken und italienischen eingelegten Pepperoni. Nichts davon paßte so richtig zu meinen momentanen Gelüsten und weder die Pepsi Max, noch die Alkoholika konnten mich als Durstlöscher überzeugen.

Ich ging zum Sofa, schaltete den Fernseher ein, zappte durch die Programme und blieb schließlich bei einem Klassiker der Filmgeschichte hängen. Bela Lugosi war gerade dabei seine angeklebten Vampirzähne in den Hals einer zur damaligen Zeit attraktiven jungen Frau zu schlagen. Ich fühlte mich schläfrig und nach nur ein paar Minuten schlief ich bereits tief und fest.

Es war ein dunkler Raum. Ich lief einen Gang entlang der aus groben Steinen gehauen war. Ich lief immer weiter bis zum Ende des Gangs und gelangte dann in einen großen Raum, in dessen Mitte ein Bett stand. Auf dem Bett lag eine Frau mit einem roten Kleid. Sie schien zu schlafen und ich näherte mich dem Bett mit langsamen Schritten. Als ich nahe am Bett stand, erkannte ich die attraktive Gestalt von Marie. Sie lag auf dem Bauch und hatte das Gesicht zur Seite gedreht, so daß ich sie erkennen konnte. Ich erkannte das rote Kleid, es war das Kleid aus meinem Badezimmer und der Rückenausschnitt reichte bis kurz vor Ihrem Poansatz. Erst jetzt bemerkte ich, daß Ihr Hals blutverschmiert war. Ich hörte ein fernes Lachen hinter mir. Ich drehte mich danach um, konnte jedoch nichts erkennen. Als ich mich zurück zum Bett drehte war dieses verschwunden. Ich schreckte aus dem Schlaf hoch und...

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