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Gras von Harald Wittmaack (1998)
Er lag einfach so da und betrachtete den Himmel...
...dachte über das Leben nach und fragte sich warum alles so gekommen war. Er war zufrieden mit seinem Leben und mochte es. Er hatte Freunde. Er hatte einen guten Job. Er hatte von allem was er wollte genug. Nicht zu vergessen er liebte eine wunderschöne Frau...das Leben machte ihn einfach glücklich !
Er spürte ein leichtes Kribbeln auf seinem Arm. Als er den Kopf etwas hob um nachzusehen, sah er eine Ameise, die sich eifrig durch den Wald von Haaren auf seinem Arm nach oben kämpfte. Wenn dieses Wesen noch weiter nach oben liefe, würde er es zerquetschen und sein Leben beenden. Doch er empfand Sympathie für dieses kleine Geschöpf. Es war wie er...blieb nicht stehen...liess sich nicht von seinem Weg abbringen...rannte dickköpfig auf seinen Untergang zu ohne es zu merken. Dann schweiften seine Gedanken wieder ab und er sah den grasbewachsenen Hügel hinunter.
Sie spielten Fussball...wie sehr er dieses Spiel doch haßte...diesen Volkssport für unbefriedigte Seelen. Trotz allem waren sie seine Freunde und er mochte sie...die einen mehr, die anderen weniger !
...Er hörte das Gras wachsen...
Dann sah er wieder zum Himmel, sein Blick folgte langsam den Wolken, die von einem leichten Süd-West-Wind sanft ueber den Himmel getrieben wurden, wie eine Herde blökender, dummer Schafe. Er wusste nicht wie lange er so in den Himmel gestarrt hatte...es schien eine endlose Zeit gewesen zu sein. Etwas hatte sich verändert !
Er wollte aufstehen, aber er blieb liegen und dachte nach. Was hatte sich verändert ? Aus den Augenwinkeln sah er ein paar Grashalme, die sich über seine Stirn neigten. Er wollte sie wegwischen, doch er konnte seine Arme nicht bewegen. Er wollte nachsehen was seine Hände festhielt, doch auch sein Kopf schien an den Boden gebannt zu sein. Nun wusste er es...die Stimmen seiner Freunde waren weg ! Er bot alle Kraft auf und konnte seinen Kopf so weit drehen um den Hang hinunter zusehen. Sie waren weg, einfach gegangen und hatten ihn vergessen. Und das Gras sah aus als sei es seit Monaten nicht mehr gemäht worden.
Er sah wieder in den Himmel und dachte nach. Über seine Freunde, sein Leben....und er hoerte das Gras wachsen....er hörte das Gras reden....es sprach zu ihm mit der leisen aber drängenden Stimme der Natur...es bat ihn sich nicht zu wehren...einfach nur da zu liegen und eins mit ihm zu werden. War er verrückt ? Aber er konnte sich nicht bewegen und das schöne grüne Gras umfasste ihn...hüllte ihn nun sanft ein, hielt ihn, beschützte ihn. Es war ein...Gefühl der totalen Sicherheit !
Wieder blickte er zum Himmel, den er nun nur noch teilweise sehen konnte, da das Gras ihn langsam zuzudecken begann. Er blickte durch den engen Spalt zwischendem dunklen Grün auf das helle Blau des Himmels..........und weinte !
Nun verstand er...er verstand sein Leben...er verstand ALLES...
...die Ameise saß immer noch auf seinem Arm...und lachte wissend !
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