STADTBILD – Oder wie man linguistisch gute Begriffe systematisch verbrennt.

In der Sprachwissenschaft nennt man dieses Phänomen Pejorisierung, was eine Verschlechterung der Wortbedeutung bezeichnet. Dabei verändern sich ursprünglich neutrale bzw. positive Begriffe durch gesellschaftliche, politische, ideologische oder moralische Veränderungen im Laufe der Zeit in negative Bezeichnungen oder noch schlimmer, sogar in Schimpfwörter.

Stadtbild

Der Begriff „Stadtbild“ ist ein Wort zur sachlichen Zusammenfassung der visuellen Erscheinung einer Stadt. Nicht mehr. Nicht weniger. Erst die begleitende Beschreibung gibt dem Begriff eine Bedeutung. Seitdem der Bundeskanzler den Begriff als Teil einer Beschreibung verwendet hat, was vollkommen korrekt vom Sprachgebrauch her war, wurde der Begriff in Medien und Politik als Pranger-Wort genutzt. Inzwischen gilt er alleinstehend als Beschreibung der Verwahrlosung, als Identifikationsmerkmal für eine ideologische Richtung und als Umschreibung für Niedergang. Man wird quasi sofort geächtet und an den Pranger gestellt, wenn man das Wort auch nur in einen vernünftigen Satz einbindet. Was für ein Nonsens.

Gutmensch

Ursprünglich beschrieb das Wort schlicht einen hilfsbereiten und im Kern guten Menschen und wurde auch im philosophischen Kontext sehr positiv verwendet. Seit den 1990er-Jahren und spätestens mit der Wahl zum Unwort des Jahres 2015 wurde es zu einem Begriff, welcher Naivität, Heuchelei oder moralische Überheblichkeit beschreibt. Schade, denn ein Gutmensch, der aus altruistischen Gründen handelte, war eigentlich immer etwas, was eine Gesellschaft bereicherte. Das Problem ist hier nur aus welchem Standpunkt man das Handeln bewertet.

Pfaffe

Ein Pfaffe war noch im Mittelalter eine sehr respektvolle Bezeichnung für einen Geistlichen oder Gelehrten. Erst später wurde es zum antikirchlichen Schimpfwort, welches einen ganzen Berufszweig wegen der Verfehlungen Einzelner brandmarkt. Interessant ist dabei, dass vor allem die Bevölkerungsgruppen, welche immer Toleranz und Respekt predigen, genau diesen Begriff aus absoluter Respektlosigkeit und Intoleranz verwenden. Verkehrte Welt.

Spießer

Der Spießbürger (Spießer) war ursprünglich ein ehrbarer Bürger, der die Stadtmauer mit einem Spieß verteidigte und damit seinen Teil zur Gemeinschaft und zur Sicherheit aller Bürger beitrug. Er wird heute als eine Beschreibung für Engstirnigkeit verwendet und benutzt, um Althergebrachtes zu verspotten. Dabei sollte sich jeder, der als Spießer bezeichnet wird, eigentlich geehrt fühlen. Dabei zeigt sich meist genau, dass diejenigen die diesen Begriff in negativer Art verwenden, selbst die Engsirnigsten sind. Wenn man den momentanen Zustand von z.B. Berlin betrachtet, wäre es gut, wenn es dort wieder mehr Spießer geben würde.

Besorgter Bürger

Ursprünglich eine sachliche Beschreibung für Menschen mit berechtigten Ängsten vor gesellschaftlichen Veränderungen. Im Zuge von politischen Debatten, vor Allem rund um die Flüchtlingskrise ab 2015, wurde der Begriff in der öffentlichen Diskussion oft ironisch oder abwertend für rechtspopulistische oder fremdenfeindliche Strömungen verwendet. Dabei beschreibt der Begriff genaugenommen recht oft einen Bürger, der eine realistische und weniger ideologische Sicht auf eine aktuelle Situation beweist, egal welcher Ideologie er angehört.

Aktivist

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnete man damit allgemein zielstrebige und tatkräftige Menschen oder Menschen, die in friedlichen Reformbewegungen tätig wurden. Je nach politischem Kontext wird das Wort heute von Kritikern oft mit Radikalismus, Ideologie oder Gesetzlosigkeit gleichgesetzt. Das hängt allerdings auch sehr damit zusammen, dass Menschen, die sich heute Aktivisten nennen, der Meinung sind, dass ihre Meinung und ihre Aktionen wichtiger sind als das Gesetz. Oft geht dabei leider auch der friedliche Kontext verloren und die heutigen Aktivisten, meist von linker Seite, scheinen der Ansicht zu sein, dass sich ihre Meinung morlaisch so weit erhebt, dass sie Recht und Gesetz ignorieren und antidemokratisch oder antisemitisch handeln dürfen. Reality-Check: Nein. Eure Meinung rechtfertigt gar nichts. Ihr seid nur weltfremde Deppen.

Klinkenputzer

Ursprünglich war dieses Wort eine rein handwerkliche Berufsbeschreibung für einen Menschen, der Messingklinken, Klopfer und später Klingelknöpfe reinigt und poliert. Da die Personen, die diesen Beruf ausübten, von Tür zu Tür gingen und der Beruf immer mehr verschwandt, ging das Wort später auf Vertreter und Hausierer und dann letzendlich als eine Beschreibung für aufdringliche Bittsteller und Lobbyisten über. Wer weiss. Wenn wir unsere Industrie irgendwann vollends ermordet haben, taucht vielleicht sogar dieser Beruf als das, was er mal war, wieder auf.

Dirne

Im Mittelhochdeutschen war dies ein völlig neutrales Wort für ein junges Mädchen, eine Tochter oder eine Dienstmagd. Erst durch gesellschaftliche Moralvorstellungen verschob sich die Bedeutung hin zu einer Prostituierten, was die eigentliche Bedeutung komplett verfehlt. Aber selbst mit der verdrehten Bedeutung können die meisten Jugendlichen nichts mehr anfangen. Der intellektuelle Horizont geht heute ja oft nicht mehr über „isch“, „misch“, „disch“, „Alter“, „goonen“ und „Chaya“ hinaus. Aber die Geschichte hat ja schon oft bewiesen, dass der sprachliche Verfall das erste Anzeichen für einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel, veränderte Kommunikationsformen und schwindende soziale Bindungen sind. Oder auch das erste Anzeichen einer sterbenden Gesellschaft.

Provinziell

Dieses Wort leitete sich ursprünglich von der Provinz (den ländlichen Regionen außerhalb einer Stadt) ab. Heute wird es leider fast ausschließlich im Sinne von rückständig, engstirnig oder unmodern gebraucht, dabei beschreibt es doch eigentlich eine Umgebung, die kulturell und sprachlich noch näher an unserer deutschen Kultur ist, als der Multikultiquatsch in den Städten, bei dem alles ausländische in den Himmel gelobt wird und die moralischen und kulturellen Grundzüge, die unser Land so lebenswert gemacht haben, werden oft verteufelt oder wie die christliche Religion nicht respektiert und geachtet.

Und nun?

Es gibt noch viel mehr solcher Worte, die zweckentfremdet wurden und heute nur noch negativ verwendet werden, aber die Vergewaltigung unserer Sprache geht ja leider noch viel weiter. Man denke nur an die ganzen ideologischen Anpassungen der letzten Jahre, die viel zu viele Menschen bereitwillig mitmachen und wenn ich ehrlich bin, hat es schon mit der Rechtschreibreform angefangen.

Warum? Man hat meiner Meinung nach an dem Punkt, an dem man feststellte, dass die Schüler zunehmend dümmer wurden, nicht in die richtige bildungstechnische Richtung gegengesteuert, sondern man hat schlichtweg die Anforderungen gesenkt.

Geile Idee. Richtig geile Idee.

Zumindest für die Isch-Misch-Disch-Wallah-Fraktion.

Schlecht für alle, die eigentlich intelligent genug wären korrektes Deutsch zu lernen.

Und heute machen schwachsinnige Linke es nur noch schlimmer und diskutieren wirklich darüber, dass man in Deutschland doch Unterricht in anderen Sprachen anbieten müsste, weil zu viele der Kinder, die eingeschult werden sollen, weder vernünftiges Deutsch, noch sich die Schuhe binden können.

Das wird nicht nur der Untergang unserer Sprache, sondern auch der Untergang unseres Landes.

Ts. Deppen.

Nur meine zwei Pfennig. (Mimimi, er hat Pfennig gesagt! Er ist so rückständig! Fresse, Schneeflöckchen!)

P.S.: Das Beitragsbild wurde übrigens in London fotografiert, aber sind wir mal ehrlich: Der Beitrag gilt inzwischen für fast alle westeuropäischen Ländern. Überall der gleiche ideologische Zerstörungskurs lokaler Sprache und Kultur.

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Über den Author:

Harry. Gen X all the way. Serial Traveler. Schwabe. Ulmer. Zunftmeister. Demoszener. Nerd. IT-Guy. Mag teure Mode und Gadgets. Mercedes-Fahrer. Für Viele unerträglich offen. Immer ehrlich. Sehr direkt. Nicht woke. Immun gegen Pronomenquatsch. Nicht religiös, aber eindeutig auf Seite des Christentums. Leberkäswecken statt Döner. Pinsa statt Pide. Kontra Antisemiten. Kontra Sozialismus. Kontra Antifa. Kontra Rechtsradikal & Kontra Linksradikal. Pro-Leistungsgesellschaft.